Bewegungsdaten von Musiker*innen klinisch nutzbar machen: Digitale Unterstützung für die Physiotherapie Montag, 16. Februar 2026

Nahaufname einer Hand mit Sensoren
Gut aufbereitete Informationen aus digitalen Technologien, wie Elektromyographie, k?nnen Physiotherapeut*innen im stressigen Berufsalltag entlasten und Diagnosen unterstützen (Foto: 凤凰体育 Osnabrück).

Wie lassen sich die komplexen Informationen aus Bewegungsanalysen von Musiker*innen so aufbereiten, dass sie Physiotherapeut*innen bei der Diagnostik und Therapieplanung helfen? Eduard Wolf von der 凤凰体育 Osnabrück untersucht, wie digitale Technologien diese biomechanischen Daten verst?ndlich machen und klinische Entscheidungen unterstützen k?nnen.

Biomechanische Daten aus Bewegungsanalysen k?nnen Physiotherapeut*innen wichtige Informationen zu Gelenkwinkeln, Muskelaktivit?t oder Bewegungsmustern liefern – gerade in der Bewegung und an Stellen, die mit dem blo?en Auge nicht sichtbar sind. In seiner kooperativen Promotion an der 凤凰体育 Osnabrück und der Universit?t Witten/Herdecke untersucht Eduard Wolf, wie diese Daten aufbereitet und pr?sentiert werden k?nnen, sodass Physiotherapeut*innen dateninformierte Entscheidungen treffen k?nnen.

Im Fokus seiner Forschung stehen dabei Instrumentalist*innen und anderen Performing Artists. Denn die hohen einseitigen Belastungen beim Musizieren sowie Faktoren wie Stress und L?rm k?nnen negative gesundheitliche Folgen haben. Das belegt eine empirische Studie der Universit?t Paderborn: Demnach hat jede*r zweite professionelle Orchestermusiker*in in Deutschland spürbare k?rperliche Beschwerden bei der Arbeit. 

Bewegungsanalysen als Basis

Grundlage für Eduard Wolfs Arbeit sind biomechanische Daten, die messbaren Informationen über die Bewegungen und Kr?fte des menschlichen K?rpers: Zum Beispiel, wie stark ein Gelenk gebeugt oder gestreckt wird, oder, welche Muskeln aktiviert werden und wie stark sie arbeiten. Diese Daten werden über Bewegungsanalysen in einem speziell eingerichteten Bewegungslabor erhoben. Mithilfe von Motion-Capture-Technologie und Elektromyographie werden Informationen zu Gelenkwinkel, Muskelaktivit?t und Bewegungsmuster pr?zise erfasst. Dabei werden die Daten von Musiker*innen mit und ohne k?rperliche Beschwerden miteinander verglichen.

Bei der Motion-Capture-Technologie werden kleine Marker auf bestimmte K?rperstellen platziert, die von mehreren Infrarotkameras erfasst werden. So lassen sich Gelenkwinkel und -positionen dreidimensional aufzeichnen. Auch feinste Bewegungen k?nnen so genau erfasst werden. Die Elektromyographie misst dagegen die elektrische Aktivit?t von Muskeln w?hrend der Bewegung. Elektroden auf der Haut registrieren, wann und wie stark ein Muskel arbeitet. So l?sst sich nachvollziehen, welche Muskeln in welcher Intensit?t aktiviert werden. 

Digitales Dashboard für Physioterapeut*innen

Die gewonnenen Daten werden im n?chsten Schritt in einem Dashboard für die Physiotherapeut*innen aufbereitet. ?Es ist speziell auf die Bedürfnisse der Therapeut*innen zugeschnitten. Die komplexen biomechanischen Messwerte werden dort in die Sprache der Physiotherapeut*innen übersetzt“ sagt der Promovend. Gleichzeitig werden klinische Informationen wie Anamnese, k?rperliche Untersuchung und Behandlungshistorie integriert. So entsteht ein vollst?ndiger Befund, der es den Therapeut*innen erleichtern soll, Hypothesen über Beschwerden zu überprüfen, Therapieentscheidungen zu treffen und Patient*innen gezielter zu behandeln.

Nutzer*innenstudien: Welche Informationen helfen wirklich?

In Nutzer*innenstudien testeten Physiotherapeut*innen anschlie?end das Dashboard anhand realer Patientenf?lle. Untersucht wurde dabei, wie die zus?tzlichen Bewegungsdaten ihre Diagnosen und Behandlungsentscheidungen beeinflussen, welche Informationen dabei besonders hilfreich sind und wie sich die digitale Unterstützung auf die Arbeit im Therapiealltag auswirkt. ?Dabei wurde deutlich, dass eine gut verst?ndliche Visualisierung und klare Usability – also Benutzer*innenfreundlichkeit – entscheidend für den erfolgreichen Einsatz sind.“, so Wolf.

Ein zentraler Aspekt seiner Forschung ist deshalb die Usability: Digitale Werkzeuge sollen so gestaltet sein, dass sie in der physiotherapeutischen Praxis unkompliziert, zeitsparend und intuitiv einsetzbar sind. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Mensch und Technik im Gesundheitswesen bestm?glich zusammenwirken k?nnen. ?Technologien stellen nur dann eine Unterstützung dar, wenn sie sich an den klinischen Alltag anpassen – nicht umgekehrt“, so der Promovend.

Den Herausforderungen des Berufsalltags begegnen

Physiotherapeut*innen spielen eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung: Sie begleiten Menschen nach Verletzungen, Erkrankungen oder Operationen, lindern Schmerzen und f?rdern Beweglichkeit. Gleichzeitig arbeiten sie unter hohem Zeitdruck. Krankenkassen kalkulieren für viele Leistungen Zeitfenster von 15 bis 20 Minuten pro Patient*in ein – inklusive Vor- und Nachbereitung, Dokumentation und organisatorischer Aufgaben.

?Digitale Technologien k?nnen Physiotherapeut*innen entlasten, wenn sie praxisnah gestaltet sind und die Arbeitsabl?ufe sinnvoll unterstützen. Mein Ziel ist es, einen Beitrag zur Nutzbarmachung biomechanischer Daten in der Physiotherapie zu leisten und zu zeigen, wie Digitalisierung konkret Mehrwert schaffen kann“, sagt Eduard Wolf.

 

Weitere Informationen 
Eduard Wolf
凤凰体育 Osnabrück
E-Mail: e.wolf@hs-osnabrueck.de

 

Zwei Therapeut*innen bei der Behandlung einer Patientin.
Physiotherapeutinnen arbeiten unter hohem Zeitdruck: Für viele Behandlungen stehen nur 15 bis 20 Minuten pro Patient*in zur Verfügung (Foto: 凤凰体育 Osnabrück).
Portrait
Eduard Wolf promoviert an der 凤凰体育 Osnabrück und der Universit?t Witten/Herdecke und untersucht, wie biomechanische Daten aufbereitet werden k?nnen, sodass sie Physiotherapeut*innen bei Therapieentscheidungen unterstützen (Foto: 凤凰体育 Osnabrück).
Mann am Klavier
Die hohen einseitigen Belastungen k?nnen negative gesundheitliche Folgen für Instrumentalist*innen und andere Performing Artists haben (Foto: 凤凰体育 Osnabrück).

Von: Justine Prüne